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Wieso ich mich unglücklich in Thailand verliebte

posted by Mimi 23. März 2016 4 Comments

Bist du alleine auf Reisen?“, frage ich einen Rucksacktouristen, welchen wir eben während des Frühstücksbuffets auf der Khao San Road in Thailand kennengelernt haben. Es ist kaum zu übersehen, dass er vergangene Nacht gefeiert hat. So wie die meisten, die auf die berüchtigte Backpacker-Meile kommen.
„Nee, ursprünglich war ich mit meinen zwei Jungs unterwegs. Irgendwann waren die weg. Haben wahrscheinlich irgend so ’ne Thai-Barkeeperin aufgerissen…die tut mir echt Leid“, antwortet er mit einem schelmischen Grinsen. „Wahrscheinlich haben sie die ganz schön rangenommen.“

Pattaya in Thailand

Es ist lange kein Geheimnis mehr, dass sich das Rotlicht-Geschäft Thailands zu einem elementaren illegalen Wirtschaftszweig entwickelt hat. Pattaya ist in dieser Hinsicht die Sextourismus-Hochburg für wollüstige Männer überwiegend höheren Alters. Ich habe das obskure Treiben des horizontalen Gewerbes die letzten Tage in Pattaya und Bangkok mitverfolgt. Nichtsdestotrotz fehlen mir die Worte. Ich sitze gegenüber meines Gesprächspartners und habe irgendwie nicht mehr so viel Lust, das Gespräch weiterzuführen.

14 Tage verbrachte ich erst über Silvester in Bangkok, dann im Süden Thailands. Mein Onkel zog vor einiger Zeit nach Ban Chang, ein überschaubares, niedliches Dorf der Provinz Rayong. Trotz der wundervollen neu gewonnen Eindrücke und unvergesslichen Erlebnisse, habe ich mich nicht mit ganzem Herzen auf Thailand einlassen können.

Ich habe mich unglücklich in Thailand verliebt. Und damit meine ich keine Person.

Ja, Thailand war für mich eine unglückliche Liebe.

Landschaftlich hat es unheimlich viel zu bieten. Traumhafte Strände, Inseln und interessante Architektur. Auch von den exotischen, saftigen Früchten bekommt man kaum genug. Überall wachsen verschiedene Pflanzenarten und in dem Dorf, wo mein Onkel lebt, bestand die Bevölkerung gefühlt zu 70% aus Menschen und 30% aus streunenden Hunden. In dieser Hinsicht habe ich mich Hals über Kopf in Thailand verliebt. Doch die Schattenseite ließ sich für mich nicht ausblenden. Auch wenn es leicht ist, als Reisender besonders die positiven, ungewöhnlichen Dinge wahrzunehmen und sich nicht weiter mit der Kehrseite zu befassen.

Ban Chang in Thailand

Das boomende Geschäft mit dem Sextourismus gehörte für mich zweifellos dazu. Besonders in den Großstädten findet man an unzähligen Ecken Thai-Massagen mit „Happy End“, geschätzt jede dritte Barkeeperin arbeitet zusätzlich als Prostituierte und Touristen werden mit Freibier zu berüchtigten Ping-Pong-Shows gelockt. Mir war bewusst, dass viele Gegenden Thailands berühmt für ihren Rotlicht-Tourismus sind, aber zu sehen, in welchem Ausmaß moralische Bedenken ausgeblendet werden – das fand ich erschütternd. Mir war es, als würde blind darüber hinweggeschaut werden, dass Prostitution in Thailand überwiegend wegen Armut, Perspektivlosigkeit und fehlender sozialen Absicherungen überhaupt erst als Beruf in Betracht gezogen wird.

In anderen Ländern, wo Prostitution existiert werden die Gründe überwiegend die gleichen sein. Doch der Massenansturm an Touristen, die sich gewissenlos eine Sexshow nach der anderen reinziehen oder mal eben eine Thai-Mädchen mitnehmen, welches vielleicht gerade mal 18 geworden ist, finde ich einfach nur widerwärtig. Es war schlichtweg kein angenehmes Gefühl, diese Erkenntnis zu ziehen. Dies hat auch dazu geführt, dass ich mich zum ersten Mal  in manchen Gegenden sehr unbehaglich gefühlt habe, alleine die Straßen unsicher zu machen.

Des Weiteren haben die Menschen in thailändischen Metropolen mit enormen Umweltproblemen zu kämpfen. Selbst an sonnigen Tagen war stets ein gräulicher Schleier am Himmel zu erkennen und die Luft war häufig so stickig, dass sie Übelkeit und Kopfschmerzen verursachte. Hinzu kamen all die unbekannten Gerüche von Essensständen, aber auch Kanalisationen und Müllbergen. Manchmal ganz interessant, auf der anderen Seite veranlassten sie viele Ansässige dazu, Atemschutzmasken zu tragen. Durch die schädlichen Abgase, Baustaub und andere giftige Stoffe, leiden immer mehr Einheimische an Atemswegserkrankungen. Hinzu kommt die ständig wachsende Bevölkerung.

Die Umweltvergiftung war nicht nur sichtbar, sondern man konnte sie förmlich spüren und schmecken. Teilweise war es so unerträglich, dass ich sogar die Frankfurter Autobahnluft an der Miquelallee vermisst habe.

Umweltprobleme Thailand

Die schlechten Arbeitsbedingungen und unterbezahlten Tarife sind meines Erachtens für Touristen insbesondere an der Arbeit der Taxifahrer zu sehen. Jeder, der schon mal in Thailand gewesen ist, wird das Phänomen kennen. Man winkt einem Taxifahrer zu, um mitgenommen zu werden, doch wortloses Kopfschütteln ist häufig die einzige frustrierende Antwort. Wird man doch mitgenommen, ist es nicht unüblich, dass am Ende höhere Preise verlangt oder extra lange Umwege gefahren werden. Besonders Tuk-Tuk-Fahrer haben einen schlechten Ruf, da diese einen oft nicht zum Wunschziel, sondern zu einer anrüchigen Gegend fahren. Touristen nennen das nicht zu Unrecht Abzocke. Doch informiert man sich über dieses Problem, erfährt man, dass die Gehälter der Taxifahrer oft so niedrig sind, dass es für sie kaum möglich ist, sich über Wasser zu halten. Noch dazu müssen ein Großteil ihrer Einnahmen abgegeben werden.

Natürlich rechtfertigt das nicht, dass am Ende von Touristen das Doppelte verlangt wird, als von Einheimischen. Doch hat der Taxifahrer seine Arbeit ordentlich gemacht, haben wir  immer ein wenig Trinkgeld da gelassen. Eine deutlich sinnvollere Lösung wären allerdings faire, einheitliche Preise, welche gleichermaßen zu mehr Trinkgeld führen würden.

Trotz der genannten Negativerfahrungen, habe ich meine Zeit in Thailand unheimlich genossen. Besonders habe ich mich gefreut, etwas mehr Zeit mit meiner Schwester, meinem Onkel und meiner Cousine aus Berkley verbringen zu dürfen. In einem zweiten Bericht erfahrt ihr bald mehr über die positiven, unvergesslichen Erlebnisse meiner Reise.

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4 Comments

dirk 23. Juli 2016 at 5:37

Sehr schön aufgeschrieben, und aufgrund meiner 3 Thailand Reisen kann ich das meiste gut nachvollziehen. Ich geriet durch Zufall ein Wochenende nach Patthaya, und muss sagen, dass ich in meinem Leben noch nie der Vorhölle so nahe war…. Viele Grüsse Dirk

Reply
Mimi 23. Juli 2016 at 16:07

Hey Dirk ;)

Haha, das hast Du schön beschrieben. Für viele Touristen mag Pattaya alles andere als die Vorhölle sein…allerdings ich fand es auch einfach nur unangenehm, da lang zu laufen. Allerdings bin ich mir sicher, dass Thailand noch eine Menge mehr zu bieten hat, als das. Da müsste ich auch einfach mal ein paar Wochen in kleinere und abgelegenere Orte Reisen. Die Dörfer z.B., fand ich teilweise sehr schön.

Liebe Grüße,
Mimi

Reply
felix r 13. September 2016 at 19:22

Film Tipp: „Herr Lenz reist in den Frühling“. Gibt es noch in der ARD Mediathek.
Zeigt neben der Haupthandlung ein paar interessante Ansätze zu dem Thema Sex-Tourismus.

Nebenbei ein anderes Thema was der Tourismus mit sich bringt: https://vimeo.com/138352364

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Mimi 14. September 2016 at 10:23

Hallo Felix,

danke für deine Empfehlung. Das klingt interessant, da werde ich diese Woche mal reinschauen. :)

Liebe Grüße,
Mimi

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