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Kindheitsträume – Teil 2: Ankunft im O.C. & Morgengrauen am Laguna Beach

posted by Mimi 18. Oktober 2014 0 comments

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Ankunft und erstes Zusammentreffen mit den alten vietnamesischen Freunden meines Vaters

Der Jetlag macht sich kaum bemerkbar, als wir um 18:10 (PST) am Los Angeles Flughafen ankommen. Aufregung und Euphorie beschreiben viel eher unsere Gefühlslage; später schlagen diese in durchdrungene Sprachlosigkeit und Überwältigung um. Endlich stehen wir nach 17 Stunden Flug mit beiden Beinen auf dem Grund eines jenen Ziels, an dem unser persönlicher amerikanischer Traum plötzlich so nah greifbar ist.

Ungeduldig warten wir vor den Eingängen des Flughafens, als ein Hummer am Straßenrand Halt macht und uns ein älterer, sympathisch aussehender Herr zuwinkt. Es ist Dienh, ein enger Freund meine Vaters, welcher energisch aus seinem Wagen aussteigt und meinem Vater mit Freudentränen in die Arme nimmt. Mehr als 40 Jahre ist es nun her, seitdem sich die beiden das letzte Mal nach dem Vietnamkrieg gesehen hatten. Er hat zwei weitere ehemalige Freunde meines Vaters mitgebracht. Ich glaube Worte würden den Emotionen, welche in diesem Augenblick empfunden wurden, nicht gerecht werden. Deswegen spare ich sie mir und lasse stattdessen dieses Foto für diesen gefühlsvollen Moment sprechen. Es ist kein qualitativ hochwertiges Bild, doch manchmal sind Erinnerungen, die durch einen einfachen Schnappschuss ausgelöst werden können, so viel wertvoller.

Unser erstes Ziel im Orange County ist ein vietnamesisches Restaurant in Westminster, an dem das erste Ehemaligentreffen stattfindet. Diese Gegend wird auch als „Little Saigon“ bezeichnet, da hier größtenteils Vietnamesen residieren, welche nach dem Krieg mit ihren Familien in dieses kleine Stadtteil geflüchtet sind. So ist es nicht verwunderlich, dass überwiegend vietnamesische Geschäfte vorzufinden sind. Im Anbetracht der Tatsache, dass Kalifornien zu eine der teuersten Staaten in den USA gehört, bin ich über die günstige Speisekarte recht überrascht. Gegen 4$ erhält man bereits eine riesige Schüssel Phó, welche in meiner Heimatstadt Frankfurt a.M. vergleichsweise das Doppelte gekostet hätte. Nicht nur dass es spottgünstig ist, es schmeckt auch noch sehr frisch. Es ist lange her, seitdem ich in so einem guten vietnamesischen Lokal gespeist habe.

Der Abend verläuft weiterhin sehr emotional und ausgelassen. Mittlerweile sind weitere Schulfreunde meines Vaters eingetroffen, welche sich angeregt unterhalten. Selten habe ich meinen Vater so unbeschwert und glücklich gesehen. Ich freue mich sehr für ihn. Nichtsdestotrotz machen sich langsam die Anstrengungen der letzten 25 Stunden bemerkbar. Ich heiße den berüchtigten Jetlag willkommen und blicke voller Vorfreude auf die nächsten Tage in Kalifornien.

Unsere Residenz liegt inmitten des ruhigen Fountain Valleys, einem kleinen Distrikt nahe zum Huntington Beach. Das Haus gehört dem besten Freund meines Vaters und ist beeindruckend groß. Zumindest ist das meine Empfindung, doch scheint dies der Standard für die Häuser Nahe des Huntington Beach zu sein. Jedes Eigenheim verfügt normalerweise über zwei Garagen, da die Einwohner Kaliforniens größtenteils auf eigene Transportmittel angewiesen sind. Denn die Infrastruktur öffentlicher Verkehrsmittel ist hier ziemlich unterentwickelt.

Bereits frühmorgens brechen wir nach Laguna Beach auf. Ich fühle mich vom gestrigen Tage noch ein wenig erschöpft, doch als wir am Strand ankommen, verfliegt jegliche Müdigkeit. Es sind ein Dutzend, vielleicht auch zwei Dutzend Male gewesen, an denen ich diesen Schauplatz über große Leinwände bewundert habe. Wer kennt sie nicht, bekannte Reality-Soaps wie Laguna Beach: The Real Orange County; beliebte Magnete hoffnungsvoller Teenager mit gewachsenen Träumen und halb so großen Verwirklichungsquoten. Doch im Hier und Jetzt, in voller physischen Anwesenheit, erscheint dieser Ort noch viel imposanter. Besonders charmant finde ich die unterschiedlichen, sehr liebevoll gestalteten Bauten auf den berüchtigten Laguna Hills.

Gerade um diese Uhrzeit ist es noch angenehm ruhig am Strand. Höchstens ein paar von der Szenerie inspirierten Maler und Jogger laufen uns über den Weg und ich genieße einfach nur das befriedigende Gefühl des Wellenrauschens in meinen Ohren. Dieser Ort ist wirklich schön, schöner als ich es mir vorgestellt habe. Eine winzige Kindheitsfantasie überkommt mich, welche mich beschließen lässt, hier einmal eine kleine Ferienwohnung zu kaufen, wenn ich groß und reich bin.

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