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Kindheitsträume – Teil 1: Sehnsucht nach dem Fremden

posted by Mimi 19. Oktober 2014 0 comments

Ich war 14 oder 15, da fing ich an, von einem Leben in Kalifornien zu träumen. Meine Sehnsüchte und Träume über das ferne Land waren sicherlich stark von der US-amerikanischen Filmindustrie geprägt. Ein Großteil der Filme und Serien, die Jugendliche und auch Erwachsene heutzutage konsumieren, werden in den Staaten produziert.

Ich glaube, dass jeder, der ab und an mal einen guten Film schaut, meine Gedanken ganz gut nachvollziehen kann oder sie zumindest nicht abwegig findet. Auch wenn man in seinem Leben nie dort gewesen ist, oder gerade dann, verspürt man eine fast zerreißende Fernsucht nach dem Fremden. Das Fremde, was einem dennoch etwas vertraut erscheint, da die Medien solch einen tiefgreifenden Eindruck hinterlassen, welcher meist trotz mancher Verachtung für das Oberflächliche (damit meine ich den massenmedialisierten Reichtum und Glanz aus Hollywood), dennoch eher von Bewunderung und Imitationsdrang gefärbt ist. Die Sehnsucht, einmal durch die Straßen Hollywoods zu laufen und sich tief im Inneren vielleicht auch einmal ein klitzekleines bisschen wichtiger zu fühlen, so wie die Stars es tun, die endlose kalifornische Sonne zu genießen und den amerikanischen Lebensstil voll in sich aufgehen zu lassen.

Allerdings verschwimmen Träume mit dem Alter nach und anstelle dessen treten neue Sehnsüchte auf. So war es zumindest bei mir. Meine anfängliche Begierde, Kalifornien unbedingt einmal zu sehen, war nicht mehr so stark wie damals. Mittlerweile hatte ich eher ärmere Teile der Welt gesehen, wodurch man die Einfachheit des Lebens zu schätzen beginnt, nicht mehr so sehr auf das Materielle oder auf Ruhm fixiert ist. Zugegebenermaßen ekelte mich all dieser ganze oberflächliche Luxus, so wie ich mir diesen besonders in Kalifornien vorstellte, sogar ein wenig an. Deutschland ist in kultureller Hinsicht den Staaten vielleicht gar nicht mal so fern. Am Wohlstand mangelte es im Vergleich zu anderen Kulturen jedenfalls nicht und auch bezüglich der Sitten und Lebensgewohnheiten erhoffte ich mir nicht einen allzu großen Unterschied. Allerdings tendieren Kindheitsträume dazu, niemals völlig m Nichts zu verschwinden. Viel mehr trotzen sie sich davor, nicht in Vergessenheit geraten und möchten mit einem kleinen Stück von kindlicher Neugier ausgelebt werden.

Dieser kleine Kindheitstraum sollte für mich Ende Juni 2014 in Erfüllung gehen. Anlass dafür war, dass mein Vater ein Klassentreffen mit seinen alten vietnamesischen Freunden organisiert hatte, von denen er die meisten seit über 35 Jahren aufgrund des Vietnamkrieges nicht mehr gesehen hatte. Die meisten von ihnen sind nach der Beendigung des Krieges in die Staaten geflohen, ein kleiner Teil blieb im alten Saigon zurück. Im vergangenen Jahr hatte er, eigentlich weniger hoffnungsvoll, auf einer sozialen Netzwerkseite ein Gesuch nach seinen alten Freunden aufgegeben. Ein paar Monate später meldete sich dann plötzlich total unverhofft ein alter Freund meines Vaters, wodurch er allmählich wieder Kontakt zu einigen seiner alten Kumpanen knüpfen konnte. Daraufhin entstammte die Idee einer Wiedervereinigung in Kalifornien, da dies der günstigste Treffpunkt war.

Manchmal birgt das Leben doch wundervolle Überraschungen, gerade in den Momenten mit denen man kaum rechnet. Für
meinen Vater sollte also nicht nur ein Kindheitstraum in Erfüllung gehen, sondern vielmehr ein jahrelanger Wunsch, der seit Ende des Vietnamkrieges auf seinem Herzen brannte: bald würde er seine alten Freunde wiedersehen, und ich durfte bei diesem unvergesslichen Ereignis mit dabei sein und gleichzeitig einen kleinen Traum von mir wahr werden lassen.

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